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fimt. Forschungsinstitut für Musiktheater

Inszenierung von Macht und Unterhaltung – Propaganda und Musiktheater in Nürnberg 1920–1950

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Tagungen

„Leichte Muse im Wandel der Zeit“, 12.06.2016Einklappen

Leichte Muse im Wandel der Zeiten – so ist die Tagung überschrieben, die dem Werdegang dieser überaus vitalen und wandlungsfähigen Gattung des Musiktheaters im Wechsel von der Weimarer Republik zur NS-Zeit nachgeht.

Die Operette, im Berlin der 1920er-Jahre zur beschwingten, frivolen, verjazzten Großstadtunterhaltung gereift, begeisterte große Publikumsschichten – so auch in Nürnberg, wie die zahlreichen Titel in den Spielplänen belegen. Auch nach 1933 sollte weiterhin Operette in Nürnberg gespielt werden, aber unter deutlich anderen Vorzeichen. Unter Adolf Hitler, einem erklärten Liebhaber der Gattung, hatte die Operette neue Aufgaben zu erfüllen und musste sich anders gewanden: Die Stücke jüdischer Autoren und Komponisten wurden verboten und das Unterhaltungsgenre propagandistisch genutzt. Opernhaftes Operetten-Singen ersetzte den frechen Kabarett-Ton der 1920er Jahre, neue Stücke erschienen auf dem Spielplan. Kamen diese Veränderungen anfangs fast unbemerkt daher, so erfüllten sie doch in den schwerer werdenden Zeiten des Nationalsozialismus’ ihre Funktion: weg von Ironie, Witz und musikalischem Großstadtton hin zu eher restaurativer Atmosphäre und Weltenflucht.

An der Tagung nehmen Wissenschaftler – so auch Kevin Clarke, einer der wichtigsten Spezialisten des Genres – sowie die Leiter und Mitarbeiter des Forschungsprojekts teil. Ergänzt wird das Programm durch ein Konzert, in dem Vergessenes, Unbekanntes und vermeintlich Bekanntes neu zu Gehör gebracht wird.

Das Forschungsprojekt des Forschungsinstituts für Musiktheater der Universität Bayreuth und des Staatstheaters untersucht die Geschichte und die politische Bedeutung der Nürnberger Oper in den Jahren 1920 bis 1950. Für 2017 ist eine Konferenz mit Historikern, Theaterwissenschaftlern, Kunsthistorikern und Musikwissenschaftlern im Staatstheater sowie 2018 eine Ausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Kooperation mit der Stadt Nürnberg geplant.

Tagungsband Leichte Muse im Wandel der Zeit (Download PDF)

12. Juni 2016, 11.00 Uhr, Gluck-Saal

  • Programm

11 Uhr Begrüßung

11.15 Uhr
Prof. Dr. Anno Mungen, Universität Bayreuth
Einführung zum Forschungsprojekt

11.30 Uhr
Prof. Dr. Nils Grosch, Universität Salzburg
Populäres Musiktheater im „Dritten Reich“: Paradigmen und Fragen der Forschung

12.15 Uhr
Daniel Reupke M.A., Universität Bayreuth
Quellen zur Operette am Nürnberger Stadttheater 1920 bis 1945: Eine Bestandsaufnahme.

13-14 Uhr Mittagspause

14 Uhr
Dr. Carolin Stahrenberg, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
„Zu 100% deutsch – zu 100% anders?“ Stichproben zu Kontinuitäten und Brüchen im populären Musiktheater der 1930er-Jahre

14.45 Uhr
Dr. Kevin Clarke, Operetta Research Center Amsterdam
„Ich reiß mir eine Wimper aus und stech' dich damit tot!“ – Die Entnazifizierung der
NS-Operette zwischen 1945 und 2015

15.30 Uhr
Leise erklingen Glocken vom Campanile
Musikalisches Programm mit Hans Kittelmann (Tenor), Kurt Schober (Bariton) und Andreas Paetzold (Klavier)

16.15-17 Uhr
Abschlussdiskussion

Eintritt frei

Leitung Prof. Dr. Anno Mungen

Mit Dr. Kevin Clarke, Prof. Dr. Nils Grosch, Dr. Carolin Stahrenberg u. a.

 

„Hitler.Macht.Oper“, 02.-04.06.2017Einklappen

 Wie sehr sich Hitler für die Oper begeisterte, ist hinlänglich bekannt: Er selbst stilisierte Opernerfahrungen als politische Erweckungserlebnisse, förderte einzelne Künstler und ganze Institutionen – etwa die Bayreuther Festspiele – aus seinem Privatvermögen und erteilte noch mitten im Krieg Anweisungen, wie bestimmte Werke aus seiner Sicht zu inszenieren seien. Damit steht die Bedeutung der Oper für die nationalsozialistische Führungsspitze außer Frage. Nur wenig weiß man indes über die konkreten Auswirkungen dieser Fixierung im regionalen Bereich. Denn während Hitlers und Goebbels’ Anordnungen den Eindruck von totaler Kontrolle des Kulturlebens erweckten, so boten sich den lokalen Funktionären immer wieder Freiräume für eigenmächtiges Handeln. Ebenfalls kaum erforscht sind die Wechselwirkungen, die sich zwischen der Bühne und dem städtischen Leben entwickelten. Gerade im Falle Nürnbergs – der Stadt der „Meistersinger“, „Rassegesetze“ und Reichsparteitage – ergaben sich zahlreiche Schnittflächen zwischen geschichtlicher, ästhetischer, politischer und urbaner Topographie.

Diese vielfältigen Verflechtungen zwischen theatralem und städtischem Raum, ihrer Akteure und staatlicher Propaganda werden während der Tagung „Hitler.Macht.Oper“ in den Blick genommen. Aus interdisziplinärer Perspektive sollen die wechselseitigen Beziehungen zwischen inszenierter Herrschaft und herrschaftlicher Inszenierung zur Sprache gebracht werden. Dabei werden die Prozesse beleuchtet, die Opernhaus und Stadt gleichermaßen zum Darbietungs- und Erfahrungsraum machten. Im Hinblick auf die Ausstellung im Dokumentationszentrum 2018 wird in einem Roundtable-Gespräch zwischen Vertretern aus Kunst, Museumswesen und Wissenschaft die Vermittlung ästhetischer und politischer Inszenierung als Weg zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Nürnberg reflektiert.

2. bis 4. Juni 2017, Nürnberg

  • Mit Vorträgen von Wolfram Pyta, Hans Rudolf Vaget, Christiane Plank-Baldauf, Sebastian Werr, u.a.
  • Leitung: Prof. Dr. Anno Mungen
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter (fimt): Daniel Reupke (Tagungsorganisation), Silvia Bier, Tobias Reichard
  • Tagungsprogramm


Freitag, 2. Juni 2017, Staatstheater Nürnberg, Gluck-Saal


12 Uhr Begrüßung

1. Ästhetik und Propaganda

12.30 Uhr Hans Rudolf Vaget, Northampton
Deutschland  Meistersingerland 

13.15 Uhr Evelyn Annuß, Berlin
Der Telefunken-Meistersinger. Zur akustischen Führerinszenierung

14.15 Uhr Wolfram Pyta, Stuttgart/Ludwigsburg
Was lernte Hitler in der Oper?

15.00 Uhr Tobias Reichard, Thurnau
Nationalsozialismus als Gesamtkunstwerk – Aspekte eines Forschungsparadigmas

16.00 Uhr Manuela Jahrmärker, Thurnau
Benno von Arent und das „deutsche Bühnenbild“

16.45 Uhr Thomas Kuchlbauer, Köln
Hitlers Hans Sachs: Der Schusterpoet in Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ und Albert Lortzings „Hans Sachs“ am Opernhaus Nürnberg

Samstag, 3. Juni 2017, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Kino


09.45 Begrüßung

2. Akteure und Propaganda

10.00 Uhr Dominik Frank, Thurnau
Die „Reichsdramaturgie“ und die Nürnberger Oper

10.45 Uhr Daniel Reupke, Thurnau
Netzwerk Theater – Wechselwirkungen von Kultur- und Personalpolitik in der NS-Zeit am Beispiel Nürnberg

3. Inszenierung und Propaganda

14.30 Uhr Silvia Bier, Thurnau
Alles (nur) Theater? – Inszenierungsstrategien auf und abseits der Bühne des Nürnberger Stadttheaters

15.15 Uhr Anno Mungen, Thurnau
Wieland Wagners Tätigkeit für die Nürnberger Oper

16.15. Uhr Christiane Plank-Baldauf, München
Den Schrecken ausstellen, geht das? – Museumskonzepte zwischen Dokumentation, Vermittlung und unmittelbarem Erleben

17.00 Uhr Runder Tisch zur Museologie und Propaganda
Moderation: Dominik Frank, Thurnau
Alexander Schmidt (Dokumentationszentrum Nürnberg), Hermann Feuchter (Bühnenbildner, Kassel), Anno Mungen (Thurnau), Christiane Plank-Baldauf (Theaterwissenschaftlerin, München), Michael Schmidl (Vizepräsident ADBK, München)


​Sonntag, 4. Juni 2017, Staatstheater Nürnberg, Gluck-Saal 


09.15 Uhr Begrüßung

09.30 Uhr Jasmin Goll und Jane Ebah Ruweji-Neumann, Thurnau
Heimchen am Herd, Verführerin oder Weltretterin? – Frauenbilder und Frauenbiografien am Nürnberger Stadttheater 1920–1950. Vorstellung des studentischen Unterprojekts der Mariann-Steegmann-Foundation

4. Topographie und Propaganda

10.30 Uhr Martin Ott, Bayreuth/Bamberg
„Des deutschen Reiches Schatzkästlein“. Imagekonstruktionen Nürnbergs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

11.15 Uhr Sebastian Werr, München
Hitler als Theaterbaumeister

13.00 Uhr Stefan Heinz, Wittlich
Von der „Akropolis“ zur „Dortmunder Baracke“ – Die Pläne für ein Opernhaus in Luxemburg während der deutschen Besatzungszeit

13.45 Uhr Gerwin Strobl, Cardiff
Nürnberg ist nicht Weimar: Musiktheater und „Reichsidee“ im Nationalsozialismus

14.30 Abschlussdiskussion

15.00 Ende  


Verantwortlich für die Redaktion: Tobias Reichard

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