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fimt. Forschungsinstitut für Musiktheater

Inszenierung von Macht und Unterhaltung – Propaganda und Musiktheater in Nürnberg 1920–1950

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HITLER.MACHT.OPER – Propaganda und Musiktheater in Nürnberg

Durch eine Kombination von theatraler und musealer Praxis werden in dieser Ausstellung die Objekte nicht nur gezeigt und kommentiert, sondern durch eine künstlerisch-installative Präsentation auch sinnlich erfahrbar gemacht. Entstanden ist eine der größten Ausstellung zu Musiktheater und Nationalsozialismus in der Bundesrepublik.

Mit der THW-Halle der NS-Kongresshalle des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände wurde ein außergewöhnlich spannungsvoller Ausstellungsort erschlossen. In der 530 Quadratmeter große Halle werden über 350 Exponate mit wissenschaftlichen Texten sowie Audio- und Videoschleifen präsentiert. Die so entstandene Ausstellung ist damit die größte ihrer Art zum Thema Musiktheater im Nationalsozialismus seit mindestens 1988. Damals wurde die Ausstellung Entartete Musik in Düsseldorf eröffnet, die sich wiederum auf die heute 80 Jahre zurückliegende gleichnamige NS-Ausstellung bezog.

Die historische Dokumentation bespielt eine Theaterarchitektur, welche in die Halle eingebaut wurde. Dafür entwarf der Bühnenbildner Hermann Feuchter eine Ausstellungsarchitektur, die ein stilisiertes Theater darstellt. Handwerklich in klassischem Kulissenbau mit gitterrostbeplankten Wänden und grau getünchten Flächen hergestellt, wirken die einzelnen Bereiche wie ein Bühnenbild im Theaterraum. Alle Bauaufgaben wurden in großzügiger Weise vom Staatstheater organisiert, von der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg unterstützt und von den Spezialist*innen im Kulissenbau, den Frauen und Männer der Theaterwerkstätten, ausgeführt. Texte und Bilder wurden auf Karton gedruckt und in Collagen, dem seinerzeit neuartigen Gestaltungsprinzip der frühen 1930er Jahre, in Themengruppen zusammengefasst und auf der Vorder- und Rückseite des ‚Theaters‘ befestigt.  

Hermann Feuchter beschrieb das Konzept mit einem „Weg ins Theater“, bei dem der Besucher Theaterräume wie das Intendantenbüro, Garderoben, den Gang zur Bühne, die Bühne selbst, den Zuschauerraum und den abschließenden Umgang durchschreiten und dabei die Inhalte der sieben Vertiefungsbereiche ,erleben‘ könne. Die inszenatorische Kulisse eröffnet mit Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg wie einst die alljährlichen Reichsparteitage. Die Aufgaben des Theaterintendanten als Erfüllungsgehilfe der Spielplanpolitik des Propagandaministeriums werden genauso thematisiert wie der politisch motivierte Umbau des Opernhauses 1935. Welche Bedeutung hatten theatrale Inszenierungsstrategien auf dem Reichsparteitagsgelände? Gab es eine spezifisch nationalsozialistische Opernästhetik? Welchen Stellenwert billigte das Regime der unterhaltenden Muse Operette zu?

Ende August 1944 wurden auf Befehl von Joseph Goebbels alle deutschen Theater geschlossen. In Nürnberg wurde als letzte Vorstellung bezeichnenderweise Richard Wagners Götterdämmerung in der Inszenierung seines Enkels Wieland gegeben. Doch die Ausstellung schreitet noch weiter in die Nachkriegszeit, um Brüche und Kontinuitäten zu zeigen. Biographische Stationen lassen Persönlichkeiten und Zeitzeug*innen zu Wort kommen, wobei ein Schwerpunkt auf den Lebensläufen von Frauen liegt (siehe Teilprojekt ‚Frauenbiographien und Frauenbilder‘).

Den Katalog zur Ausstellung kann vor Ort an der Kasse des Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg erworben oder direkt beim Verlag bestellt werden.

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Verantwortlich für die Redaktion: Daniel Reupke

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